Erman Tanyildiz und sein Beitrag zu einer erfolgreichen Zuwanderungsgeschichte

Als ich Erman Tanyildiz zum ersten Mal traf, wurde mir
schnell bewusst, dass mir hier ein Mensch gegenüberstand,
der es auf beeindruckende Weise verstand, die
angenehmen Seiten des Lebens mit einem verpflichtenden
Auftrag zu verbinden, der nichts Geringeres zum Ziel hat als
anderen Menschen vergleichbare Chancen, eine ähnliche
Biografie zu ermöglichen, wie er sie selbst erlebt hat.


Als er nach seiner Schulzeit in der Türkei zum Studium nach Deutschland kam, konnte

er noch nicht ahnen, wohin sein Weg ihn führen würde. Er wusste nur eines: Er wollte

etwas Besonderes erreichen – und dafür wollte er hart arbeiten. Die Situation an den

deutschen Universitäten empfand er nicht immer als glücklich und gelungen – nicht

zuletzt daher rührte auch seine spätere Idee, eine eigene Hochschule zu gründen, an

der er vieles besser machen wollte, als er selbst es erlebt hat. Zudem machte er sich

schon früh Gedanken darüber, wie es seinen türkischen und aus anderen Ländern stammenden Mitbürgern in Deutschland ergehen würde, die nicht wie er an einem deutschen Gymnasium in der Türkei zur Schule gegangen waren und vergleichsweise gute Voraussetzungen mitbrachten, als sie nach Deutschland kamen. Er wusste, dass knapp 20 Prozent der ausländischen Schulabgänger in Deutschland gar keinen Abschluss haben, ungefähr 40 Prozent einen Hauptschulabschluss schaffen und nur 10 Prozent die Möglichkeit haben, das Abitur zu machen. (Zum Vergleich: Jeder vierte deutsche Schulabgänger erwirbt die allgemeine Hochschulreife.)

 

Als er im Jahr 2002 seine eigene Hochschule gründete, sagte er: „Ich verwirkliche hier meinen Traum, wie ich selbst gern studiert hätte.“

 

Neben Edzard Reuter, Klaus Bresser oder Dieter Kronzucker konnte er zahlreiche weitere namhafte Persönlichkeiten gewinnen, ihn in seinem Anliegen zu unterstützen, die Ziele zu verfolgen, die ihm wichtig waren. Und dies bedeutete vor allem: Jungen Menschen eine Chance zu geben, das aus ihrem Leben zu machen, was ihm selbst gelungen war.

 

Nach den vielen und unschätzbar wichtigen Impulsen, die er diesem Projekt gegeben hat, weiß Ermann Tanyildiz heute, dass die Gründung einer Hochschule eine Lebensaufgabe ist. Das erfuhr schon Friedrich II. von Hohenstaufen, als er 1224 eine Universität in Neapel gründete und zuallererst dafür sorgen musste, dass Lehrer gefunden wurden, die in der Lage waren, den Aufgaben ihrer Zeit gerecht zu werden und zu verstehen, was eine Hochschule leisten muss, wenn sie den Studierenden mehr an die Hand geben möchte, als nur die Ausbildung zu einem in seinem Fach gebildeten und anerkannten Spezialisten.

 

Die Verpflichtung, derer man sich bewusst sein muss, wenn man jungen Menschen im 21. Jahrhundert eine Orientierung für ihre Zukunft, für ihre individuelle Entwicklung ermöglichen möchte, ist genau das, was Erman Tanyildiz sich schon früh auf die Fahnen geschrieben hat: Zum Studium gehört die Praxis ebenso wie zur Praxis eine umfassende theoretische Kenntnis gehört, die man sich nur durch ein arbeitsames Studium von Geschichte und Hintergründen der Materie erwerben kann.

 

Diese Maxime, Studium und Praxis miteinander zu verbinden, ist das, was die OTA Hochschule von ihren Ursprüngen an ausgezeichnet hat. Und sie sind das, was unsere Gesellschaft in einem geeinten Europa dringender braucht als vieles, was in der modernen Gesellschaft andernorts gelehrt und praktiziert wird.

 

Für alles, was Erman Tanyildiz bis heute geschaffen hat, kann man ihm nur gratulieren. Und für alle Unternehmungen, denen er künftig den prägenden Stempel seiner schöpferischen Individualität aufdrücken wird, möchte ich ihm an dieser Stelle von ganzem Herzen alles Gute wünschen.

 

Herzlichst Ihre

Rita Süssmuth

 

Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D. 

© 2015 Stiftung für Berufliche Bildung OTA Tanyildiz

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