Mutig und Ideenreich

Ich will mich auf die Person Erman Tanyildiz konzentrieren.
Ich kenne Erman Tanyildiz schon fast 30 Jahre. Fast die
Hälfte seines Lebens bin ich ihm freundschaftlich
verbunden. Und da muss man ja etwas erzählen können.

 

Fragt man mich, welche Eigenschaften ich am ehesten mit ihm verbinde, dann würde

ich antworten: er ist unkonventionell, mutig und ideenreich. Die Entstehungsgeschichte

der OTA-Hochschule, heute SRH-Hochschule, ist dafür ein Beispiel.

 

Erman Tanyildiz war  Schüler des staatlichdeutschsprachigen Gymnasiums in Istanbul

(Istanbul Erkek Lisesi) .Kennengelernt habe ich ihn durch einenehemaligen Schüler dieses

Gymnasiums, der sich bestens in der türkischen Politik auskannte. Anlässlich des

Besuches von Bundeskanzler Kohl in der Türkei Anfang der90er Jahre hatte er die Idee,

eine deutschsprachige Uni in Istanbul zu gründen. Ich habe mich bei dem Projekt

engagiert. Edzard Reuter hat mitgemacht, es ist tatsächlich zu einem Staatsvertrag

zwischen Deutschland und Türkei gekommen. Nur das Projekt ist nie verwirklicht worden. 

 

Da kam Erman Tanyildiz mit der Idee, wir sollten das, was wir dort nicht geschafft haben, doch vielleicht in Deutschland verwirklichen. Eine Fachhochschule für alle, aber mit einem besonderen Engagement für türkische oder türkischstämmige Studenten. Mit einer bemerkenswerten Energie hat er sich gleich ans Werk gemacht. Edzard Reuter war bereit, den Hochschulratsvorsitz zu übernehmen und dann kam später auch noch Rita Süssmuth als Präsidentin dazu. Das wirft auch ein bezeichnendes Licht auf Erman Tanyildiz.

 

Er hatte die Idee und bedrängte mich, mit Frau Süssmuth zu reden. Ich wollte eigentlich nicht, weil ich wusste, dass sie zuvor abgelehnt hatte, Präsidentin bedeutender deutscher Universitäten zu werden - und sie jetzt auf eine kleine Hochschule anzusprechen... Doch sie sagte: Ja. Erman Tanyildiz hatte richtig erkannt, dass für sie nicht die Größe der Uni, sondern dass für sie der Inhalt, nämlich das integrationspolitische Signal, entscheidend war. Und unkonventionell und mutig finde ich auch seine Entscheidung, die Verantwortung für die Hochschule in neue Hände zu geben, als ihm schien, dass das für die Hochschule die bessere Zukunft bedeutet. Denn ich weiß, es ist gar nicht so leicht, sich von seinen eigenen Werken zu trennen.

 

Ich freue mich auf viele gemeinsame Werke auch in Zukunft.

 

Herzlichst Ihr

Ulf Fink

 

Senator für Gesundheit und Soziales Berlin a.D.